Seit vier Wochen hat der Papa einen neuen Arbeitsrhythmus. Wie sich schon länger abzeichnete, muss er öfter mal in die „Konzernzentrale“ in eine hessische Großstadt. „Öfter mal“ heißt, jede Woche zwei Tage. Er ist dann Dienstag/Mittwoch unterwegs und übernachtet in seinem Lieblingshotel und lässt es sich abends mit Arbeitskollegen und Sauna (hoffentlich) richtig gut gehen. Ich finde das auch gar nicht großartig dramatisch (außer, dass es natürlich netter wäre, er wäre hier- aber die Fahrerei wäre ja wirklich für zwei Tage elendig). Komisch nur, dass ausgerechnet jetzt Murphy’s Law an diesen Tagen hier zuschlägt (irgendetwas passiert, für das es ziemlich nötig/sinnvoll/aufbauend wäre, dass Papa da ist- und das natürlich nie passiert, wenn er da ist).
Vorletzte Woche: Dienstag Abend, gegen 23:00 Uhr
Dienstag ist Fernseh-Abend mit zwei Lieblingsserien- die schon fast vorbei sind, als ich es über mir trappeln höre (da liegt das Kinderzimmer vom Großen, der gerade Richtung Badezimmer rannte). Als ich oben angekommen war, um mal zu gucken, was da los ist, hörte ich es schon- er hustete bellend,
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaasssssssssssssssssssscccccc
ccccccccccccccccccc (liebe Mamis, das passiert, wenn man mit einem Blogartikel anfängt, die Kinder wach werden, man schnell das Frühstück macht und die lieben Kleinen derweil weiterschreiben…, jetzt ist es schon wieder Tage später und diesmal schlafen sie noch…)
also, wo war ich?
Junior wurde kurz nach elf (als ich grad überlegte, ins Bett zu gehen) mit bellendstem Husten, Atemnot und völlig versagender Stimme wach und rannte erstmal zum Bad, weil er dachte, er müsse sich übergeben. Nachdem ich da schon fix Pseudo-Krupp diagnostiziert hatte (das erste Mal, wohlgemerkt), hab ich ihn erstmal vor den Kühlschrank gesetzt (den offenen, natürlich). Dann gedacht, dass NaCl -Inhalieren sicher auch nicht schadet. Und dann im KH angerufen, ob er um das Cortison-Zäpfchen (Internet sei Dank, informiert in Sekunden!) wohl herumkommen würde, woraufhin mir die Nachtschwester nahelegte, das auf jeden Fall diese Nacht noch in der Apotheke zu besorgen.
Na, dachte ich mir, wenn ich eh losfahren muss und beide Kinder mitnehmen und ne Notapotheke anfahren- kann ich genauso gut in unserer Kinderklinik vorbeifahren und mal jemanden draufgucken lassen, der sich damit auskennt. (später in meinem „Lieblings“-Familienforum habe ich dann gelesen, dass ich völlig falsch reagiert habe. Punkt 1: Mama muss angesichts des Anfalls in totale Panik verfallen und hyperventilierend mindestens so blau anlaufen wie das Kind. Punkt 2: Ist man mit zwei Kindern allein zu Haus, lässt man den Notarztwagen kommen).
Aber so habe ich eben den Junior warm eingepackt an die frische Luft geschickt, dann die Lütte geweckt, die fühlte sich auch warm an. Lütte in Pulli und Jacke eingepackt und beide Kids ins Auto verfrachtet. Halb zwölf.
Lütte kotzt im Auto zweimal, was ich im Dunklen nur so halb mitbekomme.
Wir kommen im Krankenhaus an, melden Junior an- und Lütte, die währenddessen gleich nochmal spuckt, gleich mit.
Junior bekommt sein Zäpfchen und inhaliert, diesmal richtig (NaCl plus Adrenalin). Wird dann ans offene Fenster gesetzt. Lütte spuckt das nächste und übernächste Nierenschälchen voll. Die Nachtschwester diagnostiziert „Scharlach“: Ich krieg eine kleine Krise, kann mir das aber nicht wirklich vorstellen. Beschließe, einfach auf die Ärztin zu warten. Kurz vor eins taucht eine megajunge Ärztin auf (erschreckend, wie jung Assistenzärzte inzwischen sind!!!). Stimmt mir mit Juniors Diagnose zu, kurzes Gespräch, schrieb uns halt die Zäpfchen auf und erklärte nochmal Pseudo-Krupp. Es gibt ja vier Schweregrade und so, wie ich Junior erlebt habe, hatte der ne lässige 3. Sie meinte aber, es könne höchstens zwei gewesen sein, denn er sei ja schon wieder ziemlich fit. (Und ab Stufe drei behalten sie die Kids dann da, ich hab also mal nicht widersprochen).
Lütte war dann schon ein bisschen zickig. Aber die Doc konnte dann doch noch in den Mund sehen und gab Entwarnung (bzw., sagte wegen Scharlach gar nichts, ich hab dann nachher nochmal nachgefragt, nee, wäre „nur“ Magen-Darm- selbst damit bin ich mir ehrlich gesagt aber nicht sicher! Na, aber irgendein Virus wird es wohl sein). Da ist erstmal „nur“ Schonkost angesagt. (Und alle haben wieder die Schiene bewundert und Frau Doktor fragte wieder vorsichtig, ob denn am Herzen was bekannt sei… Es gibt so Sachen, die vergesse ich inzwischen einfach, unglaublich, aber wahr).
Gegen zwei Uhr waren wir dann zu dritt wieder wohlbehalten zu Hause und haben beim Papa Entwarnung gegeben.
Letzte Woche: (oh, dies wird ein langer Artikel, fürchte ich
)
Während Papa in Frankfurt weilt, ist Mamas Mittwochs-Arbeitstag von einiger (gern in Kauf genommener) Fahrerei gekennzeichnet.
Um zwei geht’s los- da wird der Junior mit dem Auto vom Kindergarten abgeholt, dann kommen beide Kids zu den Großeltern (12 km gen Osten). Dann fahre ich wieder gen Westen, geschätzte 25 km zu meiner Selbsthilfegruppe), dann fahre ich gen Süden (ca. 40 km) in die Praxis und dann schließlich zurück nach Hause (ca. 20 km).
Man KANN den Tag natürlich auch so gestalten: Um zwei fährt Muttern derart schwungvoll auf den ersten Parkplatz am Kindergarten, dass sie sich ihr linkes Vorderrad am Dorn der Torhalterung abschießt. Pfffft… Während ich mich noch über das Geräusch wundere, feixen hinter mir schon zwei befreundete Mütter. Sehr cool.
Eine der Beiden hat zwar noch angeboten, mich irgendwo hin zu fahren, aber das hätte ja auch nichts genützt. Ich hab dann „kurz“ überlegt (Arbeit schon wieder ausfallen lassen kam nicht in Frage), bin dann nach Hause, hab mir aus der Garage Sommerreifen geholt und bin zur Werkstatt ins Gewerbegebiet „gefahren“. Sch*** auf Felgen, nutzte ja nix, also sind wir mit 20 Sachen die 2 Kilometer über die Landstraße gedackelt. Herr L., der Leiter des Betriebes, hat sich übel amüsiert (aber ich mag ihn, das war schon okay- ich hatte ihn nur gebeten, mit dem Lästern zu warten, bis ich wieder weg war…). Sein Kollege hat dann erstmal festgestellt, dass ich die Reifen von Papas verschrottetem Auto eingepackt hatte (wie blond kann man nur sein?!)- und mir dann schnell nen neuen aufgezogen- so schnell, dass ich es tatsächlich noch pünktlich zur Gruppe geschafft habe. Wohl mit den Kindern im Schlepp, aber die wurden von zwei netten Ehefrauen gut betreut (waren in der Nebenhalle Fußballspielen und hatten viel Spaß… alle Vier waren nachher sehr aus der Puste…)
Danach hab ich sie dann auf dem Weg in die Praxis bei den Großeltern abgeliefert und war nur froh, dass mein erster Patient (im Heim) schon fast eingeschlafen war, da ist es nicht aufgefallen, dass ich meiner Zeit übel hinterher war…
Diese Woche:
bekommt gleich einen eigenen Artikel von mir, nur soviel: Es ist nichts „Dramatisches“ passiert.
Papa ist krank geschrieben und zu Hause…