„Schatz, lass die Schuhe stehen, wir gehen!“
tönte es durch den Laden. Mist, dachte ich mir, da hatte ich – nachdem Lütte und Papa schon insgesamt drei Paar neue Schuhe für den Urlaub ausgewählt hatten, tatsächlich auch noch ein Paar für mich gefunden- reinschlüpfen, wohlfühlen, kaufen. Naja, oder auch nicht.
Ich hatte mir so meinen Teil gedacht, als ich meinen Göttergatten kurz vorher lautstark durch den Laden sagen hörte: „Aber das sind KINDER und die können nicht mehr so lange aushalten!“. Beide Kids mussten dringend auf Toilette und ich hatte mit einem anprobierten Schuh und dem anderen Fuß noch strumpfsockig die besseren Argumente- also ist Papa mit den Beiden zur Kasse und hat höflich nach der Toilette gefragt. Die Antwort war unerquicklich. Mein Mann sauer.
Als ich Minuten später aus dem Laden kam (folgsam und ohne Schuhe- also, meine eigenen hatte ich wohl wieder an…), sah ich die Drei am anderen Ende des großen Einkaufscenters (des wirklich GROSSEN) Einkaufscenters immer noch den Pfeilen Richtung Besucher-Toiletten folgen. Gerade noch rechtzeitig haben sie es auf die Herrentoilette geschafft und waren im Anschluss noch in einen Plausch mit den Toilettendamen verwickelt.
Ich muss gestehen, ich hätte mich da grad gar nicht drüber aufgeregt, aber im Grunde finde ich, hat er schon Recht. Auf der einen Seite mag es Bestimmungen geben, dass Mitarbeitertoiletten nicht für Kunden freigegeben werden dürfen und ich habe auch Verständnis dafür, dass es, wenn nur ein einziger Mitarbeiter im Laden ist, auch schwierig ist, sich zweizuteilen, die Kasse und den Tresor und die anderen Kunden und die „müssenden“ Kinder im Blick zu halten (mal ganz abgesehen davon, dass sich in diesem Schuhgeschäft mindestens 5 Angestellte aufhielten). Auf der anderen Seite haben wir es aber auch immer wieder anders erlebt; gerade mit relativ frisch trockenen Kindern ist es in vielen, meist kleineren Läden, überhaupt kein Problem.
Ich erwarte mit Sicherheit keine Sonderbehandlung, aber dringende Fälle erfordern gelegentlich schnelle Maßnahmen. Und ich weiß es als Kunde dann sehr zu schätzen, wenn Mitarbeiter dann auch in der Lage sind, hilfreich zu agieren. Und darunter fällt für mich weder ein doofes Anpampen noch ein Verweis auf die „doch nur ein paar hundert Meter entfernten“ öffentlichen Toiletten.
Das war jetzt definitiv ein Laden für die „Ausschussliste“, in der ganzen Kette werden wir mit Sicherheit nicht noch einmal versuchen, Schuhe zu kaufen. Er lag nur grad so praktisch auf dem Weg…
Das wirklich Ärgerliche ist einfach nur, dass Prinzipientreue gelegentlich echt anstrengend werden kann- jetzt müssen wir nämlich nächste Woche wieder losziehen, Schuhe kaufen… (und wahrscheinlich heißt „wir“ dann: Die Kinder und ich- und das ist eine ungünstige Kombination, wenn Mama auch nach Schuhen schauen will…)
(aber immerhin hab ich bei Globetrotter ein paar runtergesetzte Wanderschuhe ergattert- dringend nötig für die Zentral-Schweiz!!! Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden… ich freu mich jedenfalls schon riesig!!!)